Hauptmann: Endlagersuche deutschlandweit ganz am Anfang

Richard Seifert Bund, Infrastruktur, Ländlicher Raum, Menschen

Berlin/Südthüringen –  Die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) hat am Montag, dem 28. September 2020, den ersten Zwischenbericht Teilgebiete veröffentlicht. In diesem Bericht werden alle Regionen in Deutschland aufgeführt, die geologisch als potenzielle Endlagerstandorte infrage kommen könnten. Der Zwischenbericht nennt deutschlandweit 90 „Gebiete, die eine günstige geologische Gesamtsituation dafür erwarten lassen“. Demnach gehören auch weite Teile Thüringens zu den betroffenen Gebieten.

„Ich bewerte Thüringen als Standort für die Lagerung hoch radioaktiver Brennstoffe kritisch und setze auf das kommende Konsultationsverfahren“, kommentiert der Südthüringer Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann.

Alle Bürger und Kommunalpolitiker, die am Montag von der Information überrascht worden sind, dass auch Thüringen bei der Suche nach einem Standort für dieses Endlager untersucht wird, können sich in dem jetzt anlaufenden öffentlichen Beteiligungsverfahren äußern.

In insgesamt drei Phasen soll im Zeitraum bis 2031 ein Standort für ein Endlager gefunden werden, das einer Reihe von Anforderungen entspricht:

  • Standort in der Bundesrepublik Deutschland
  • Tiefengeologische Lagerung (mind. 300 Meter unter der Erdoberfläche)
  • Bestmögliche Sicherheit für einen Zeitraum von 1 Million Jahren
  • Rückholbarkeit während des Betriebes
  • Bergbarkeit für 500 Jahre nach Verschluss des Bergwerkes
  • Wissenschaftsbasiertes und transparentes Auswahlverfahren
  • Selbsthinterfragendes Verfahren und lernende Organisation.

Mit der Veröffentlichung des Zwischenberichts befindet sich das Verfahren noch immer mitten in Phase 1. In diesem frühen Stadium der Untersuchungen bleiben alle Regionen in Deutschland „im Rennen“, die auf Basis der erhobenen geologischen Daten die absoluten Mindestanforderungen für ein Endlager erfüllen.

„Bis zum 31. Dezember 2022 werden die verbliebenen sechs Reaktoren in der Bundesrepublik abgeschaltet. Was bleibt, sind rund 1.900 Behälter mit hochradioaktiven Abfällen, für die ein sicheres Endlager in Deutschland gefunden werden muss“, so Hauptmann.

Kern des Vorgehens bilden wissenschaftsbasierte Kriterien, auf deren Basis in ganz Deutschland nach dem Endlagerstandort mit der bestmöglichen Sicherheit gesucht wird. Keine Region wird aufgrund von nichtfachlichen Erwägungen ausgeschlossen und umgekehrt – keine Region rückt aufgrund nichtfachlicher Interessenslagen in den Fokus. Die Ergebnisoffenheit ist zentral für die Glaubwürdigkeit des Verfahrens.

Die Aufsicht über das Verfahren hat das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE). Das Amt organisiert die gesetzlich festgelegte Öffentlichkeitsbeteiligung. Die Arbeiten zur Standortsuche selbst führt ein bundeseigenes Unternehmen durch, die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) mbH.

Die entscheidungsleitenden geologischen Daten und die Entscheidungskriterien sind im Internet einsehbar:

https://www.endlagersuche-infoplattform.de/

Im Zuge der nun beginnenden zweiten Phase des Suchverfahrens werden durch Erkundungen vor Ort (Bohrungen, seismische Messungen) weitere Regionen ausgeschlossen. In der zweiten Phase fließen auch Kriterien wie Einwohnerdichte, Verkehrserschließung, Naturschutzbelange in die Abwägung ein. Am Ende dieser zweiten Phase stehen konkrete Vorschläge, welche Standorte auch untertägig erkundet werden sollen. Darüber entscheidet abschließend der Deutsche Bundestag.

„Bei der Findung eines geeigneten Endlagers spielen viele Faktoren – insbesondere geographische und geologische Kriterien – eine wichtige Rolle. Dabei wird das Verfahren transparent gestaltet und die Bürger bekommen die Möglichkeit, ihrer Stimme Ausdruck zu verleihen. In diesem Sinne möchte ich alle Südthüringer bitten, Ihre Meinung zu einem potentiellen Endlager im Süden des Freistaates, bei den verantwortlichen Stellen kundzutun“, so Hauptmann schließend.