Wernshausens Weißes Gold

Sarah Boost Mittelstand, Wirtschaft

Schmalkalden OT Wernshausen – Toilettenpapier war wohl das am stärksten nachgefragte Produkt der Corona-Krise.

Dies bekam auch die Werra Papier Wernshausen GmbH zu spüren, die Nachfrage lag im März in der Spitze 80 Prozent über der  Nachfrage im Vorjahreszeitraum. Der Südthüringer Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann (CDU) besuchte den Krisengewinner und traf den italienischen Geschäftsführer Lorenzo Bianchi zum Gespräch. Dabei kam auch das Konsumverhalten der Verbraucher während der Covid-19 Krise zur Sprache. Hauptmann brachte das Paradoxon auf den Punkt: „Die Italiener kauften mehr Wein, die Franzosen Verhütungsmittel, die Amerikaner Waffen und die Deutschen eben Toilettenpapier“, hielt er die bemerkenswerten interkulturellen Unterschiede im Umgang mit der Krise fest. Allein sind die Deutschen damit nicht, auch Schweden und Spanien stieg der Bedarf an Toilettenpapier.

Gleichwohl: Da der Verbrauch von Hygienepapieren grundsätzlich kaum Schwankungen unterliegt und die hohe Nachfrage eher auf ein gewisses Sicherheitsbedürfnis der privaten Haushalte zurückzuführen ist, sanken die Absatzzahlen im zweiten Quartal erwartungsgemäß wieder – die privaten Konsumenten scheinen ihren Vorrat erst aufbrauchen zu wollen, bevor sie nachkaufen. Daher rechnet Geschäftsführer Bianchi ungeachtet der Absatzspitzen im Frühjahr nicht mit signifikanten Umsatzsteigerungen im Jahresergebnis. Der Markt für Hygienepapiere sei ohnehin aufgeteilt, erläutert er. Bei gleich bleibendem Marktvolumen sei die Qualität der Produkte entscheidend für den Erfolg, so Bianchi. Hier sieht sich die inhabergeführte Sofidel Gruppe, zu welcher die  Werra Papier Wernshausen GmbH seit 2007 gehört, gut aufgestellt.

Davon profitiert auch der Standwort in Wernshausen. Hier soll ab August 2020 der Hauptsitz für das Deutschlandgeschäft der Gruppe angesiedelt werden. Damit wird aus der Werra Papier Wernshausen GmbH die Sofidel Germany GmbH mit insgesamt 750 Mitarbeitern.

Hauptmann sieht den Standort in Wenshausen gestärkt: „Das sind gute Nachrichten für die Mitarbeiter und für Schmalkalden“, findet er.

Für sein Team am Standort ist Geschäftsführer Bianchi voll des Lobes. Die hohe Nachfrage im Frühjahr konnte mit einem zur Kontaktvermeidung ausgeklügelten Schichtmodell bewältigt werden, auf Verwaltungs- als auch Produktionsmitarbeiter war in dieser besonderen Zeit Verlass. Doch Bianchi sieht noch weitere Potentiale: Nachhaltigkeit sei der Unternehmensgruppe sehr wichtig, die umweltfreundliche Produktion von Hygienepapieren Teil der Identität von Sofidel. Mit moderner Technik, der Verarbeitung von recyceltem Papier und der Reduktion von Kunststoffen beispielsweise bei Verpackungen will man auch in Wernshausen einen Beitrag zum „Green Deal“ innerhalb der Sofidel Gruppe leisten.

Die inhabergeführte Sofidel Gruppe aus Italien ist einer der führenden Hersteller von Hygiene- und Haushaltspapier weltweit. Gegründet wurde das Unternehmen 1966 in Italien und hat heute Tochtergesellschaften in 12 Ländern, bei starker europäischer Prägung und mit Werken in den USA. Die bekannteste Marke, vertrieben in nahezu allen Märkten, ist Regina. Weitere bekannte Marken der Gruppe sind Softis, Le Treflé, KittenSoft (…), auch im „Private Labeling“ ist Sofidel tätig. In Deutschland gibt es neben dem Standort in Wernshausen eine weitere Papierfabrik in Sachen-Anhalt und eine Zweigstelle in Köln, welche für den Vertrieb verantwortlich zeichnet.

Die Papierfabrik in Wernshausen ist ein Traditionsstandort. Vielen ist das „Werra-Krepp“ aus DDR-Zeiten noch ein Begriff, doch die Geschichte des Unternehmens geht noch weiter zurück. Gegründet im Jahre 1872 zur Herstellung von Holzschliff und Papier. Mehrere Eigentümerwechsel bis hin zur Überführung in Die VEB Werra Papierfabrik Wernshausen prägen die Geschichte des Unternehmens. Der Anschluss an die Sofidel Gruppe erfolgte im Jahr 2007. Am Standort sind derzeit ca. 390 Mitarbeiter beschäftigt.

Bildhinweis:

Lorenzo Bianchi (2.v.r.) und Mark Hauptman (rechts im Bild) bei der Betriebsbesichtigung